Breaking Bad – So far, so good?
Dass Breaking Bad eine der besten, wenn nicht die beste Drama-Serie unserer Zeit ist, daran scheint kein Zweifel mehr zu bestehen. An mir persönlich ging der Hype lange Zeit vorüber, doch nachdem mir von verschiedensten Leuten wiederholt glaubhaft versichert wurde, dass die Serie überragend sei, gab ich ihr zum neuen Jahr eine Chance. Heute, gut einen Monat später, bin auch ich von der überdurchschnittlichen Qualität der Serie überzeugt. Bevor im Sommer die letzten Folgen veröffentlicht werden, möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen. (In diesem Text wird der Inhalt der Serie bis zum Ende der vierten Staffel behandelt)
Wie bei den meisten Serien, ist die Pilotfolge etwas überladen, etwas schneller, etwas übertriebener. Der Zuschauer wird in Windeseile in die triste Welt von Walter White katapultiert und erlebt in einer Dreiviertelstunde bereits die Entwicklung der gesamten Serie. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob bereits vorher feststand, dass die Serie fortgesetzt wird. Ich könnte mir vorstellen, dass dem nicht so war, denn im Grunde kann man die Pilotfolge auch als Fernsehfilm wirken lassen. Auch die erste Staffel könnte, wenn man sie leicht modifiziert, als Gesamtkunstwerk fungieren. Doch mit jeder Staffel, mit jeder Folge, schreitet die Serie in ihrer Entwicklung fort und befördert den Zuschauer in neue Sphären. Dies ist nach meiner Einschätzung nicht immer von Vorteil.
Sex, Drugs, Chemestry
Das Grundgerüst des Szenarios ist so einfach wie genial: Der vom Leben gebeutelte Chemielehrer Walter White, bekommt kurz nach seinem 50. Geburtstag eine Lungenkrebsdiagnose. Seine Frau erwartet ein zweites Kind, sein Sohn ist ein behinderter Teenager und das Geld reicht nicht aus, sodass Walter nebenberuflich in einer Waschanlage jobbt. Als er die Chance erkennt, mit seinem Wissen über Chemie im Drogengeschäft schnell sehr viel Geld zu verdienen, um damit seine Familie über seinen Tod hinaus abzusichern, begibt er sich auf diesen zwielichtigen Pfad. Bereits jetzt hat die Geschichte mehrere Ebenen, die den Zuschauer, so er Reflexion zulässt, vor elementarste Fragen stellt: „Was bedeutet das Gesetz für mich, wenn ich nichts mehr zu verlieren habe?“, „Warum tue ich gewisse Dinge, obwohl ich das gar nicht will?“, „Heiligt der Zweck die Mittel?“, „Kann eine Krankheit einen Menschen wirklich derart verändern?“, „Lebe ich wirklich jeden Tag in vollen Zügen?“ Diese Gedanken prägen zunächst Walters Charakter und mit diesem den Zuschauer. Der klare Bezug zur Wirklichkeit, zum Zuschauer, die Aufforderung zur Reflexion, das Infragestellen vermeidlicher Wertvorstellungen, das Einstreuen von Situationen die jeder kennt, genau das ist für mich die unvergleichliche Qualität der Serie. Und sie beleuchtet dabei alle Facetten des Lebens: Sex, Drogen, innerfamiliäre Beziehungen, Karriere, Eifersucht, Schicksal, Hinterhältigkeit, Stolz, Geld, Neid und Tod.
Ein Hauch von Mozart…
Nach meiner Meinung ist die Qunitessenz der Serie, so es diese denn ist, mit Abschluss der ersten Staffel ausreichend behandelt. Doch wenn man die Serie neu einteilen könnte, so würde ich die folgende Bündelung vorschlagen: 1+2 und 3+4. Denn in der zweiten Staffel wird der Zuschauer ganz behutsam in die nächste Etage geführt. Es ist ein bisschen wie ein Tonartwechsel in einer Mozart Sinfonie: Wenn man nicht wie ein Luchs aufpasst, dann merkt man es fast gar nicht. Ein guter Indikator für die fortschreitende Entwicklung der Serie, sind die Beweggründe aus denen das „Koch-Duo“, allen voran Walter, andere Menschen aus dem Weg schafft. Sterben Emilio und Krazy-8 in der ersten Staffel noch aus purer Notwehr und im Zuge von Affekthandlungen, ist die Beseitigung von Tuco zwar ebenfalls zum Selbstschutz, aber klar geplant (auch wenn der Plan nicht aufgeht). Dies setzt sich im weiteren Verlauf der Serie fort, bis man als Zuschauer nicht mehr sicher ist, ob nun wirklich eine Bedrohung oder der eigene Nutzen Grund für den Mord war. Wie bereits angedeutet spielt Walter hier die zentrale Rolle. Er lässt Jesse’s Freundin Jane sterben und man ist sich sicher, dass er es tut, weil er hofft Jesse so aus dem Drogensumpf ziehen zu können. Er tötet die zwei Dealer bevor Jesse es tun kann, weil er weiß, dass ihn Gus nicht umbringen wird, der von Jesse, zu diesem Zeitpunkt, keinen Nutzen hat. Sein gesamtes Handeln wirkt emotional, hat aber so einen taktisch, rationalen Beigeschmack.
Um den Effekt der Walter-Transformation noch deutlicher herauszustellen, schlägt die Krebstherapie voll an und Walters Lebenserwartung steigt sofort um Monate, vielleicht sogar Jahre. Dennoch findet er keinen Ausweg mehr aus seinem Geschäft. Immer wieder sagt er, dass er sich zur Ruhe setzen wolle, doch scheinbar unvorhergesehene Ausgaben drängen ihn immer wieder in die Rolle des Chefkochs. Mehr und mehr wird aus dem Mittel zum Zweck eine Art Berufung. Schon zu Beginn wird schnell klar, dass Walter unzufrieden ist mit der Geschwindigkeit und der Menge, die er und Jesse an Geld für ihre Arbeit bekommen. Ursprünglich noch von dem Zeitdruck basierend auf seiner Krebserkrankung getrieben, behält er diese Denkweise jedoch bei, als sein Tumor vorerst entfernt wurde. Der Charakter Walter White strebt plötzlich nach Macht, nicht mehr nach Sicherheit.
5 Dornen im Auge
All das wird, wenn auch nicht so übertrieben deutlich, bereits in den ersten zwei Staffeln klar. Doch ab dem Moment, wo Gus Fring und sein Drogengroßhandel ins Spiel kommen, wird die nächste Ebene erklommen, doch diesmal hat man ein wenig den Eindruck den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die dritte Staffel ist nach meiner Einschätzung die schwächste und das liegt an folgenden Faktoren:
1. Der Charme der beiden Kleinganoven ist dahin. Symbolisch wird dies durch die Verschrottung des Wohnmobils dargestellt. Plötzlich ist alles groß, sicher und geregelt. Walter hat nun eine Festanstellung und braucht sich eigentlich keinerlei Sorgen mehr zu machen.
2. Das Verhältnis zwischen Walter und Jesse ist gebrochen. Gerade nach dem Ende der zweiten Staffel hatte man das Gefühl, dass diese Vater-Sohn-Beziehung zu einem rundem Abschluß gekommen ist. Mit Beginn der dritten wird dieses wieder eingerissen.
3. Skyler White. Eigentlich die wahre Nummer 1 unter den Gründen. Ich kann kaum in Worte fassen wie sehr ich diese Frau hasse. Die arme Schauspielerin. Wenn ich die träfe, könnte ich für nichts garantieren. Es geht gar nicht um die Affäre oder derartiges. Ihre gesamte Art, diese übertriebene Hysterie, die man als Mitteleuropäer kaum nachvollziehen kann, das Rauchen während der Schwangerschaft und sowieso und überhaupt. Einfach schrecklich.
4. Diese ganze Mexikogeschichte. Wie alle genannten Kritikpunkte sicherlich wichtig für den Rest der Story, aber eben nur dann, wenn man unbedingt noch weitere Staffeln produzieren will.
5. Saul Goodman. Auch wenn er bereits in Staffel 2 ins Geschehen eingreift, ist seine Funktion ab Staffel 3 eher störend. Er selbst ist sicherlich ein guter Charakter der Serie und für den ein oder anderen Spaß gut, aber als universeller Problemlöser, mit einem Telefonbuch in dem offensichtlich jeder Verbrecher der Erde vorhanden ist, rettet er nicht nur Walter und Jesse aus aussichtslosen Situationen, sondern sicher auch die Drehbuchautoren aus der ein oder anderen Sackgasse. Ob sein Name an Saulus (Paulus) angelehnt ist? Ich würde es den Schreiberlingen zutrauen.
Ende gut, alles gut
Mit den Staffeln 3+4 verliert die Serie deshalb den eingangs erwähnten Bezug zum „kleinen Mann“. Die Fragestellung hat sich verändert. Wollte man sich am Anfang noch vorstellen, wie man selbst in der Situation von Walter reagieren würde, so ist das mit Staffel 3 endgültig vorbei. Man fragt sich nur noch: „Was reitet Walter? Was plant er?“ Selbstverständlich ist das alles der nächste Schritt auf der Karriereleiter zum Drogenkönig und die Serie wird dadurch nicht schlecht, aber mit der Ausgangssituation hat das nur noch wenig zu tun. Die Serie heißt „Breakung Bad“ und so wird eben diese Entwicklung auch dargestellt und das ist auch völlig legitim, doch um es noch einmal herauszustellen: Der Bezug ist für mich ab diesem Moment verloren gegangen. Hinzu kommt, dass das Ende von Staffel 4 für all das entschädigt und für mich auch ein wirklich gelungenes und würdiges Ende ist. Die letzte Einstellung auf die Maiglöckchen auf Walters Terrasse – einfach unbeschreiblich gut. Da kann nichts mehr kommen. Es kommt aber noch was. Ich habe bereits Teile der fünften Staffel gesehen, möchte mich aber in keinster Weise hier zum Inhalt oder zu meinen Eindrücken äußern, aber Fakt ist, dass das Ende der vierten Staffel ein würdiges gewesen wäre.
Not too bad…
Wie eingangs erwähnt ist die Serie überragend. Auch wenn jetzt vielleicht der ein oder andere negative Unterton zu viel in diesem Text auftauchte, so wollte ich einfach einmal ein paar Kritikpunkte anbringen, um nicht wie ein Schaf in ein kritikloses Loben mit einzustimmen. Auf der Habenseite steht eine, nach meiner laienhaften Einschätzung, technisch herausragende Produktion, überragende Schauspieler, eine überdurchschnittliche Geschichte, eine große Liebe zum Detail (die Spendenseite von Walter Jr. für seinen Vater gibt es z.B. wirklich) und eine ganze Menge (vor allem amerikanische) Sozialkritik. Wer diese Serie nicht gesehen hat, hat wirklich was verpasst. Allerdings glaube ich, dass es aufgrund der Handlung und der etwas düsteren Aufmachung EHER (nicht ausschließlich- das wäre ja Brüderlesk) eine Serie ist, die bei den Herren der Schöpfung Anklang findet.
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dude? Du hast SO VERDAMMT nochmal recht.
Keine Serie kommt im Ansatz an BB ran. -
Dann wird´s ja auch bald Zeit für ne Homeland-Kolume ;) Die erste Staffel von Homeland hat mich doch sehr beeindruckt und braucht sich vor Breaking Bad nicht zu verstecken …









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